Vergleich des Canon RF 24-105 f/4L mit dem EF 24-70 f/2.8L II an der EOS R5

Vergleich des Canon RF 24-105 f/4L mit dem EF 24-70 f/2.8L II an der EOS R5

Da sich bei mei­nem Ver­gleichs­test der EF und RF Ver­si­on des 24-105 f/4L IS an der Canon EOS R5 her­aus­ge­stellt hat, dass die RF Ver­si­on bes­ser ist, habe ich mein in der letz­ten Zeit sowie­so kaum noch genutz­tes EF 24-105 mitt­ler­wei­le über eBay in gute Hän­de wei­ter­ver­kauft. Aber auch wenn das RF 24-105 f/4L IS bes­ser als die EF-Ver­si­on ist, habe ich mich doch gefragt, ob es in dem doch sehr häu­fig genutz­ten Brenn­wei­ten­be­reich, zumin­dest bis 70mm, nicht noch bes­ser geht. Für den Bereich dar­über habe ich ja auch noch das her­vor­ra­gen­de EF 70-200 f/2.8L IS II. Auch wegen der höhe­ren Licht­stär­ke habe ich daher mit einem RF 24-70 f/2.8 IS gelieb­äu­gelt - das war mir aber bis­her noch deut­lich zu teuer.

Aber: muss es immer RF sein?

Da ich bereits einen gro­ßen Zoo von hoch­wer­ti­gen EF-Objek­ti­ven besit­ze, ich sehr gute Erfah­rung mit der Adap­tie­rung von EF-Objek­ti­ven habe (ins­be­son­de­re auch mit der Mög­lich­keit der Fil­ter­ver­wen­dung im Drop-In Fil­ter Mount Adap­ter EF-EOS R) und ich auch mei­ne EOS 5DSR wei­ter benut­zen möch­te, bin ich wei­ter­hin durch­aus an EF-Objek­ti­ven inter­es­siert. Hin­zu kommt noch, dass vie­le Canon-Foto­gra­fen nach dem Umstieg auf die neue EOS R5 oder R6 der­zeit auf RF-Objek­ti­ve umstei­gen und ihre alten EF-Objek­ti­ve häu­fig deut­lich unter Wert „ver­schleu­dern“, da muss doch noch so das eine oder ande­re Schnäpp­chen drin sein?

Ich bin dann wie­der bei eBay (hier eini­ge aktu­el­le Ange­bo­te des Objek­tivs bei eBay*) über ein sehr güns­ti­ges Ange­bot für ein 24-70mm f/2.8L II gestol­pert und habe zuge­schla­gen. Ins­ge­samt habe ich für das Objek­tiv ledig­lich ca. 1/3 des Prei­ses eines RF 24-70 f/2.8L IS bezahlt. Optisch sind bei­de Ver­sio­nen ver­gleich­bar sehr gut, wie z.B. im Ver­gleich bei the-digital-picture.com zu sehen ist. Außer­dem habe ich mir gedacht, dass an der Canon EOS R5 oder R6 der inte­grier­te Sen­sor­sta­bi­li­sa­tor den feh­len­den opti­schen IS der RF-Ver­si­on eini­ger­ma­ßen aus­glei­chen könn­te. Zudem kann ich das EF-Objek­tiv eben auch noch an mei­ner 5DSR nutzen. 

Canon Zoom­ob­jek­tiv EF 24-70mm F2.8L II USM für EOS (82mm Fil­ter­ge­win­de), schwarz

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Das EF 24-70 f/2.8L II ist in etwa genau­so groß wie das RF (ca. 5mm län­ger und brei­ter, ca. 100g schwe­rer). Es hat ein 82mm Fil­ter­ge­win­de, das RF kommt mit 77mm aus, wie auch mein EF 16-35 f/4L IS und mein EF 70-200 f/2.8L IS II. Unten habe ich es mit dem mon­tier­ten Drop-In Fil­ter Mount Adap­ter EF-EOS R* im Ver­gleich zum RF 24-105 f/4L abge­bil­det, damit wirkt es dann doch deut­lich län­ger, zudem wird es damit im Ver­gleich auch um mehr als 200g schwerer:

Wie bei mei­nem Ver­gleichs­test der 24-105 Objek­ti­ve, woll­te ich auch dies­mal selbst sehen, wie sich das Objek­tiv im ech­ten Leben bei mir im Ver­gleich zum RF 24-105 f/4L schlägt. Wie­der ist die­ser Test nicht hoch­wis­sen­schaft­lich stan­dar­di­siert, da bie­tet die Web­site the-digital-picture.com genaue­re Ver­gleichs­mög­lich­kei­ten. Ich woll­te aber eben sehen, wie ich per­sön­lich mit den Objek­ti­ven zurecht­kom­me und wel­ches für mei­ne Zwe­cke bes­ser geeig­net ist.

Schärfe und Kontrast

Als Test­sze­ne habe ich dazu dies­mal wie­der die­sel­be klei­ne Sze­ne aus unse­rem Gar­ten gewählt, wie im Ver­gleichs­test der 24-105mm Objek­ti­ve. Dort ist es jetzt im Win­ter zuge­ge­be­ner­ma­ßen aller­dings recht trost­los. Wie zuvor, habe ich die Kame­ra auch dies­mal auf einem sta­bi­len Sta­tiv mon­tiert. Die Auf­nah­men erfolg­ten, um Erschüt­te­run­gen wei­test­ge­hend zu ver­mei­den, mit Selbst­aus­lö­ser und ers­tem elek­tro­ni­schen Verschlussvorhang.

24mm

Zunächst wie­der der Ver­gleich bei 24mm Brenn­wei­te. Ich habe wie­der die RAW-Auf­nah­men mit bei­den Objek­ti­ven in Ligh­troom mit der Default-Ein­stel­lung impor­tiert, sie in der Ver­gleichs­an­sicht ohne wei­te­re Mani­pu­la­tio­nen neben­ein­an­der gestellt und Screen­shots ange­fer­tigt. Die RF 24-105 f/4L IS-Ver­si­on befin­det sich jeweils links, die EF 24-70 f/2.8L II-Ver­si­on rechts im Bild.

Im Über­sichts­bild fin­den sich bis auf eine leich­te Vignet­tie­rung beim 24-105 auf den ers­ten Blick kei­ne wesent­li­chen Unter­schie­de, auch die Bild­aus­schnit­te stim­men weit­ge­hend überein:

Gesamt­bild 24mm bei f/4

Im Zen­trum ist das EF mini­mal schär­fer und kon­trast­rei­cher als das RF:

Bild­mit­te 400%, Fokus liegt auf der Rück­leh­ne des Stuhls, f/4

Das bleibt übri­gens auch bei Offen­blen­de noch so - das EF 24-70 f/2.8L II ist bei Offen­blen­de 2.8 her­vor­ra­gend scharf und noch immer etwas bes­ser als das RF 24-105 f/4L IS bei Blen­de 4:

Bild­mit­te 400%, Fokus liegt auf der Rück­leh­ne des Stuhls, f/4 RF vs f/2.8 EF

Am lin­ken Rand fällt der Unter­schied schon etwas stär­ker auf:

Lin­ker Rand bei 400%, f/4

Bei den Ästen am rech­ten obe­ren Rand sind die Unter­schie­de bereits deut­lich sicht­bar. Auf­fäl­lig ist die deut­li­che chro­ma­ti­sche Aberra­ti­on des RF 24-105. Das EF zeigt zudem deut­lich mehr Details in den Ästen:

Rech­te obe­re Ecke 400%, f/4

Bei Blen­de 11 ist der Unter­schied gerin­ger, aber noch immer vorhanden:

Rech­te obe­re Ecke 400%, f/11

Akti­viert man die auto­ma­ti­sche Objek­tiv­kor­rek­tur in Ligh­troom bei Blen­de 11, wird der Unter­schied noch geringer:

Rech­te obe­re Ecke mit Objek­tiv­kor­rek­tu­ren in Ligh­troom, 200%, f/11

Ins­ge­samt ist bei der kür­zes­ten Brenn­wei­te von 24mm mein adap­tier­tes EF 24-70 f/2.8L II aber doch in allen Berei­chen und bei allen Blen­den­öff­nun­gen schär­fer und kon­trast­rei­cher, als mein RF 24-105 f/4L IS. Zudem vignet­tiert es bei f/4 weni­ger als das RF. Die Schär­fe bei 24mm ist im Zen­trum mini­mal, in den Rand­be­rei­chen aber deut­li­cher bes­ser als beim RF 24-105 f/4L IS. Durch Abblen­den ver­min­dern sich die Qualitätsunterschiede. 

Zudem hat das RF deut­lich aus­ge­präg­te­re chro­ma­ti­sche Abber­ra­tio­nen, die auch mit den Kor­rek­tu­r­al­go­rith­men unter Ligh­troom nicht voll­stän­dig ver­schwin­den. Ins­ge­samt wir­ken die Bil­der sub­jek­tiv für mich beim EF etwas kla­rer und knackiger.

50mm

Bei 50mm Brenn­wei­te von der­sel­ben Posi­ti­on ein wei­te­rer Ver­gleich zunächst wie­der bei Blen­de 4: Links im Bild ist wie­der der Aus­schnitt des RF 24-105 f/4L, rechts der des EF 24-70 f/2.8L II zu sehen. Zunächst zei­ge ich hier das Gesamt­bild, fokus­siert habe ich wie­der auf die Stuhllehne:

Gesamt­bild bei 50mm f/4

Im Zen­trum ist auch bei einer Ver­grö­ße­rung auf 400% bei bei­den Objek­ti­ven kein gro­ßer Unter­schied bei 50mm Brenn­wei­te zu erken­nen, das EF wirkt jedoch wie­der einen klei­nen Hauch kon­trast­rei­cher und schärfer:

Bild­mit­te 400%, Fokus liegt auf der Rück­leh­ne des Stuhls, f/4

Auch bei dem Blatt im Bild links unten ist ein Unter­schied kaum auszumachen:

Lin­ke unte­re Ecke 400%, f/4

Ins­ge­samt ist der Unter­schied der bei­den Objek­ti­ve bei 50mm Brenn­wei­te und f/4 gering, das EF zeigt allen­falls mini­ma­le Vor­tei­le, auf wei­te­re Tests habe ich daher ver­zich­tet. Aber: das EF kann bei 50mm auch noch mit Blen­de 2.8 ver­wen­det werden!

70mm

Nun noch ein Test mit der längs­ten gemein­sa­men Brenn­wei­te. Zunächst wie­der das Gesamt­bild bei Blen­de 4, der Fokus liegt wie­der auf der Stuhllehne:

Gesamt­bild bei 70mm f/4

Auch hier ist auf der Gesamt­über­sicht kein wesent­li­cher Unter­schied zu sehen. Beim 24-105 kann man allen­falls eine leicht aus­ge­präg­te­re Vignet­tie­rung an den Ecken aus­ma­chen. Aus­ser­dem ist der Bild­aus­schnitt beim EF etwas wei­ter als beim auf 70mm ein­ge­stell­ten RF. Nun zunächst wie­der ein Crop der Stuhl­leh­ne bei 400%:

Bild­mit­te 400%, Fokus liegt auf der Rück­leh­ne des Stuhls, f/4

auch bei genau­es­ter Betrach­tung kann ich hier kei­ne wesent­li­chen Unter­schie­de aus­ma­chen, bei­de Objek­ti­ve bil­den scharf und kon­trast­reich ab. Lei­der taugt die Sze­ne auch nicht dazu, die Rand­schär­fe der Objek­ti­ve zu beur­tei­len, da alle Rand­ob­jek­te lei­der aus­ser­halb der Schär­fee­be­ne liegen.

Daher noch ein Bei­spiel von einem Win­ter­spa­zier­gang im ver­schnei­ten War­burg vor eini­gen Tagen. Ich hat­te da auch bei­de Objek­ti­ve zum Ver­gleich dabei:

Ver­schnei­tes War­burg mit 70mm f/4

Auch hier sieht man, dass der Bild­aus­schnitt des EF 24-70mm etwas wei­ter ist als beim auf 70mm ein­ge­stell­ten RF 24-105. In der Bild­mit­te ist das EF 24-70 F/2.8L II nun­mehr wie­der etwas schär­fer und auch kon­trast­rei­cher als das RF 24-105 F4L IS:

Ver­schnei­tes War­burg, 70mm f/4 Bild­mit­te, 200%

Der Baum am lin­ken Rand erscheint mit dem EF 24-70 f/2.8L II hin­ge­gen deut­lich schärfer:

Ver­schnei­tes War­burg, 70mm f/4 lin­ker Bild­rand, 200%

Ins­ge­samt ist somit auch bei 70mm mein EF 24-70 f/2.8L II das schär­fe­re und kon­trast­rei­che­re Objektiv.

Bildstabilisierung

Das neue RF 24-70 f/2.8L IS hat, wie die letz­ten zwei Buch­sta­ben der Modell­be­zeich­nung ver­ra­ten, einen ein­ge­bau­ten opti­schen Bild­sta­bi­li­sa­tor, eben­so wie das von mir hier getes­te­te RF 24-105 f/4L IS. 

Die EF-Ver­si­on des 24-70 f/2.8L II, die ich hier getes­tet habe, hat hin­ge­gen kei­nen ein­ge­bau­ten opti­schen Bild­sta­bi­li­sa­tor. Dafür kann es aber den in den neu­en Canon EOS R5 und R6 Kame­ras ver­bau­ten Sen­sor­sta­bi­li­sa­tor mit nutzen. 

Laut Wer­be­aus­sa­ge von Canon sol­len die neu­en RF-Objek­ti­ve in Zusam­men­ar­beit mit der Sen­sor­sta­bi­li­sie­rung schar­fe Auf­nah­men bei bis zu 8 Blen­den­stu­fen län­ge­ren Belich­tungs­zei­ten zulas­sen, als ohne Sta­bi­li­sie­rung. Das gilt nach Aus­sa­ge von Canon inter­es­san­ter­wei­se aber auch für eini­ge Objek­ti­ve ohne ein­ge­bau­ten opti­schen Sta­bi­li­sa­tor, wie z.B. dem RF 28-70 f/2. Somit scheint die Sen­sor­ba­sier­te Sta­bi­li­sie­rung der EOS R5 und R6 ja für sich allein bereits sehr effek­tiv zu sein. 

Ich habe mich nun gefragt, was mit dem Sen­sor­ba­sier­ten Sta­bi­li­sa­tor der Canon EOS R5 zusam­men mit dem EF 24-70 f/2.8L II nun mög­lich ist und habe es dafür mit mei­nem RF 24-105 f/4L verglichen. 

Mein Versuchsaufbau

Ich habe dazu frei ste­hend mit bei­den Objek­ti­ven von der­sel­ben Posi­ti­on je 12 Auf­nah­men der EOS R5 Ver­pa­ckung bei 70mm Brenn­wei­te mit Belich­tungs­zei­ten von jeweils 0,5 und 1 Sekun­de gemacht. Unten fin­den Sie die Seri­en jeweils unter­ein­an­der­ge­stellt. Ich habe die Crop-Aus­schnit­te (jeweils 800 Pixel breit) nach Schär­fe sor­tiert unter­ein­an­der ange­ord­net. Eine Belich­tungs­zeit von 0,5 Sekun­den ent­spricht bei 70 mm unter Maß­ga­be der Faustformel:

ver­wack­lungs­freie Belich­tungs­zeit ent­spricht 1/Brennweite

einer Sta­bi­li­sie­rung von etwas mehr als 5 Blen­den­stu­fen. In mei­nem simp­len Ver­gleich liegt die Tref­ferr­ra­te der Sta­bi­li­sie­rung des EF 24-70 f/2.8L II bei 0,5 Sekun­den Belich­tungs­zeit irgend­wo zwi­schen den Ergeb­nis­sen des RF 24-105 f/4L IS bei 0,5 und 1 Sekun­de. Somit ist die Sta­bi­li­sie­rung des adap­tie­ren EF-Objek­tivs an der EOS R5 in mei­nen Hän­den nur etwa 0,5 Blen­den­stu­fen gerin­ger als mit dem nati­ven optisch sta­bi­li­sier­ten RF-Objektiv:

Bokeh - Freistellung

Da sowohl ein 24-70, als auch ein 24-105 Stan­dard-Zoom sicher sehr häu­fig für Por­traits ver­wen­det wer­den, ist das soge­nann­te „Bokeh“, also die Qua­li­tät des Unschär­fe­ver­laufs, bei die­sen Objek­ti­ven sehr wich­tig. Da ist zu erwar­ten, dass die grö­ße­re Blen­den­öff­nung des EF 24-70 f/2.8L II eine bes­se­re Frei­stel­lung erzielt, als die Blen­de 4 des RF 24-105 f/4L IS. 

Da mei­ne Fami­li­en­mit­glie­der und auch unser Kater nicht Modell ste­hen woll­ten, muss­te wie­der unser Stoff-Affe aus mei­nem Test der Ent­rau­schung mit DxO Pho­to­Lab 4 Modell ste­hen. Er hat dies aber wie­der wie­der ger­ne und ohne zu mur­ren für mich getan 😉

Beson­ders inter­es­sant im Por­trait­be­reich ist natür­lich die längs­te gemein­sa­me Brenn­wei­te der Objek­ti­ve, also habe ich das EF 24-70 f/4L II auf 70mm ein­ge­stellt. Wie wei­ter oben bereits bemerkt, bil­det es bei 70mm einen grö­ße­ren Bild­win­kel ab, als das auf 70mm ein­ge­stell­te RF 24-105 f/4L IS. Um eine gute Ver­gleich­bar­keit zu gewähr­leis­ten, habe ich am RF daher den Zoom­be­reich so ein­ge­stellt habe, dass die Bild­aus­schnit­te über­ein­stimm­ten. Bei mei­nem RF 24-105 f/4L IS war das bei einer Brenn­wei­ten-Ein­stel­lung von 63mm der Fall. Wel­ches Objek­tiv hier „Recht“ hat, weiss ich nicht. Es ist aber auch bekannt, dass sich bei innen­fo­kus­sier­ten Zoom-Objek­ti­ven die effek­ti­ve Brenn­wei­te im Nah­be­reich ver­kür­zen kann.

Alle Auf­nah­men habe ich wie­der mit der Canon EOS R5 von einem Sta­tiv von der­sel­ben Posi­ti­on mit Selbst­aus­lö­ser auf­ge­nom­men und die RAW Datei­en in Ligh­troom mit den Stan­dard­ein­stel­lun­gen ohne irgend­wel­che Nach­be­ar­bei­tung impor­tiert. Wie bereits wei­ter oben, zei­ge ich hier wie­der Screen­shots der Ver­gleichs­an­sicht in Pho­to­shop Ligh­troom. Auch hier ist jeweils die Auf­nah­me mit dem RF 24-105 f/4L IS links und die mit dem EF 24-70 f/2.8L II rechts zu sehen. Zunächst der Ver­gleich bei­der Objek­ti­ve jeweils bei Offenblende:

Bokeh-Ver­gleich bei Offenblende

Im direk­ten Ver­gleich ergibt sich mit dem EF 24-70 f/2.8L II, wie zu erwar­ten, eine sicht­bar bes­se­re Frei­stel­lung. Die­se kann man gut an den Holz­fi­gu­ren und den Büchern im Hin­ter­grund vergleichen. 

Bokeh-Ver­gleich bei Offen­blen­de, 50% Ausschnitt

Auf­fäl­lig ist eine deut­lich aus­ge­präg­te­re Vignet­tie­rung des Hin­ter­grun­des beim EF 24-70 f/2.8L II, aber auch das RF 24-105 f/4 vignet­tiert bei Offen­blen­de sicht­bar. Die Vignet­tie­rung lässt sich aber bei bei­den Objek­ti­ven in Ado­be Ligh­troom mit Akti­vie­rung der auto­ma­ti­schen Objek­tiv­pro­fil­kor­rek­tur sehr ein­fach und effek­tiv korrigieren:

Bokeh-Ver­gleich bei Offen­blen­de, Pro­fil­kor­rek­tu­ren in LR aktiviert

Da ich bei Por­traits eine leich­te Vignet­tie­rung in der Regel sogar begrü­ße, las­se ich die auto­ma­ti­sche Objek­tiv­pro­fil-Kor­rek­tur bei Ligh­troom in der Regel jedoch ausgeschaltet.

Bei glei­cher Blen­de 4 und 11 unter­schei­den sich die bei­den Objek­ti­ve in ihrer Frei­stel­lung kaum noch:

Bokeh-Ver­gleich bei f/4
Bokeh-Ver­gleich bei f/11

Aber: das RF 24-105 f/4L IS hat ja noch einen deut­lich grö­ße­ren Brenn­wei­ten­be­reich zur Ver­fü­gung. Da sich bei zuneh­men­der Objek­tiv-Brenn­wei­te bei glei­chem Abbil­dungs­maß­stab und glei­cher Blen­den­öff­nung der Bereich der Schärfen­tie­fe ver­klei­nert, müss­te sich so doch auch dadurch wie­der eine bes­se­re Frei­stel­lung errei­chen las­sen, oder? 

Um das ein­mal aus­zu­pro­bie­ren, habe ich mit dem 24-105 noch eini­ge Auf­nah­men aus etwas wei­te­rer Ent­fer­nung gemacht, wobei ich dar­auf geach­tet habe, dass der Kopf des Stoff­tiers in etwa in glei­cher Grö­ße abge­bil­det wird:

Bokeh-Ver­gleich RF 105mm vs EF 70mm bei Offenblende

Hier erschei­nen Frei­stel­lung und Unschär­fe­ver­lauf bei­der Objek­ti­ve wie­der durch­aus ver­gleich­bar zu sein. Schön sieht man bei der Auf­nah­me mit 105mm Brenn­wei­te links die leich­te Kom­pri­mie­rung der Per­spek­ti­ve: Die Holz­fi­gu­ren erschei­nen etwas näher bei­ein­an­der zu ste­hen. Das RF 24-105 f/4L IS vignet­tiert bei 105mm wie­der rela­tiv deut­lich. Bei­de Objek­ti­ve lie­fern nun ver­gleich­bar schö­ne Unschär­fe­ver­läu­fe, wie in den 50% Crops gut zu sehen ist:

Bokeh-Ver­gleich: RF 105mm vs EF 70mm bei Offen­blen­de, 50% Crop

Fazit

Ja, was ist denn nun die Kern­aus­sa­ge die­ses sehr sub­jek­ti­ven Tests? 

Zunächst ein­mal das wich­tigs­te: Bei­de Objek­ti­ve sind sehr gut brauch­bar, mit bei­den macht man nichts ver­kehrt. Mei­ner Ansicht nach ist das EF 24-70 f/2.8L II - ins­be­son­de­re in den End­be­rei­chen bei 24 und 70mm - noch etwas schär­fer und kon­trast­rei­cher als das RF 24-105 f/4L IS. Dafür ist das RF aber im Brenn­wei­ten­be­reich ab 71mm deut­lich überlegen 😉 

Der etwas weni­ger effek­ti­ve Sta­bi­li­sie­rungs­be­reich durch die aus­schließ­li­che Sen­sor­sta­bi­li­sie­rung an der Canon EOS R5 / R6 des EF 24-70 f/2.8L II wird von die­sem durch die um eine Blen­den­stu­fe wei­te­re Offen­blen­de in vie­len Situa­tio­nen aus­ge­gli­chen. Dafür kann mit dem RF 24-105 f/4L IS die gerin­ge­re Frei­stel­lung bei Offen­blen­de von nur f/4 in vie­len Situa­ti­on durch einen Schritt zurück vom Motiv und Wahl der län­ge­ren Brenn­wei­te aus­ge­gli­chen werden. 

Das RF 24-105 f/4L IS ist an der EOS R5 und R6 kom­pak­ter und leich­ter, dafür kann ich aber das EF 24-70 f/2.8L II auch an mei­ner EOS 5DSR verwenden. 

Mit dem Drop-In Fil­ter Mount Adap­ter EF EOS R kann ich mir einen sepa­ra­ten Pol- oder ND-Fil­ter für das brei­te­re 82mm Fil­ter­ge­win­de des EF 24-70 f/2.8L II spa­ren, da ich die­se zwei Drop-In-Fil­ter nun mit allen mei­nen EF-Objek­ti­ven von 14 bis 600mm Brenn­wei­te nut­zen kann (zumin­dest an der R5).

Ich wer­de nun erst ein­mal bei­de Objek­ti­ve behal­ten. Das RF 24-105 f/4L IS bleibt an der EOS R5, wenn ich „mit klei­nem Besteck“, also nur einer Kame­ra und nur 1 bis 2 Objek­ti­ven unter­wegs bin. Da sind dann die zusätz­li­chen 35mm Brenn­wei­te manch­mal doch recht hilf­reich. Ansons­ten wer­de ich eher das EF 24-70 f/2.8L II ver­wen­den und den Drop-In Fil­ter Mount Adap­ter EF EOS R fest an der R5 belas­sen. Ich kann dann alle mei­ne Objek­ti­ve belie­big an der EOS R5 oder auch der EOS 5DSR ver­wen­den und muss nicht stän­dig den Adap­ter an- und abbauen.

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