Focus-Stacking mit der EOS R5 oder R6

Focus-Stacking mit der EOS R5 oder R6
Margerite - Stack aus 30 Fotos

Die Canon R5 und R6 bie­tet im Menu eine für mich neue Funk­ti­on, das Focus-Bra­cke­ting. Dabei nimmt die Kame­ra eine ein­stell­ba­re Anzahl von Auf­nah­men in schnel­ler Fol­ge auf und ver­schiebt den Fokus in eben­falls ein­stell­ba­ren Schrit­ten nach hin­ten. Die Schär­fee­be­ne wan­dert so von Bild zu Bild.

Einige optische Grundlagen

Alle Objek­ti­ve stel­len nur eine Ebe­ne in einer bestimm­ten Ent­fer­nung scharf dar, die­se nennt man Foku­se­be­ne und die Ent­fer­nung zu die­ser lässt sich an den meis­ten Objek­ti­ven direkt able­sen. Vor- und hin­ter die­ser Ebe­ne wer­den alle Objek­te mit zuneh­men­der Ent­fer­nung immer ver­schwom­me­ner dar­ge­stellt.

Das macht auch unser Auge nicht anders. Es kann zur Akkom­mo­da­ti­on die Brech­kraft der Lin­se ändern, damit wir ent­we­der nah oder fern scharf sehen (also eine Innen­fo­kus­sie­rung 😉 ). Mit zuneh­men­dem Alter erstarrt die Augen­lin­se zuneh­mend, dann hilft nur noch eine Bril­le - Ok, ich schwei­fe ab…

Daher zurück zur Kame­ra: Der Schär­fe­be­reich ist von der Objek­tiv-Blen­den­öff­nung, der Brenn­wei­te und dem Abstand zum Motiv abhän­gig. Der Bereich vor- und hin­ter der Schär­fen­ebe­ne, der noch aus­rei­chend scharf abge­bil­det wird, wird Schärfen­tie­fe genannt.

Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen zum The­ma fin­den sich z.B. im Wiki­pe­dia-Arti­kel. Ich will hier nicht wei­ter dar­auf ein­ge­hen. Was man aber wis­sen soll­te, ist,

dass die Schärfen­tie­fe abnimmt, wenn

  • die Blen­de wei­ter geöff­net wird (klei­ne­re Blen­den­zahl)
  • eine län­ge­re Brenn­wei­te ver­wen­det wird (Tele­ob­jek­ti­ve)
  • man näher an das Objekt her­an­geht (Makro­auf­nah­men)

Einen steu­ern­den Ein­fluss auf die Schärfen­tie­fe hat man beim Foto­gra­fie­ren ins­be­son­de­re durch die Wahl der Blen­de. Häu­fig wird sogar eine mög­lichst gerin­ge Schärfen­tie­fe gewünscht, um ein Motiv frei­zu­stel­len. Dazu sind beson­ders licht­star­ke Objek­ti­ve gut geeig­net.

Anders ist es, wenn man ein drei­di­men­sio­na­les Objekt kom­plett scharf dar­stel­len will. In man­chen Situa­tio­nen reicht dazu auch die kleins­te Blen­de nicht aus. Dies ist beson­ders häu­fig bei Makro­auf­nah­men, also klei­nen Objek­ten, der Fall, da hier selbst bei stark geschlos­se­ner Blen­de nur eine mini­ma­le Schärfen­tie­fe erreich­bar ist. So beträgt die Schärfen­tie­fe im 1:1 Makro­be­reich bei Blen­de 16 gera­de ein­mal 2 mm. Einen Schärfen­tie­fe­rech­ner für den Makro­be­reich fin­det sich z.B. hier.

Ein Beispiel

Aber auch bei der Foto­gra­fie mit Tele­ob­jek­ti­ven reicht die Schärfen­tie­fe manch­mal nicht aus. Das zeigt z.B. das fol­gen­de Bild, das bei 600mm Brenn­wei­te immer­hin mit Blen­de 32 auf­ge­nom­men wur­de:

Kro­ko­dil in der „Fer­me aux Cro­co­di­les“ in Pier­re­lat­te /Frankreich

Selbst bei Blen­de 32 beträgt bei der Ent­fer­nung zum Kro­ko­dil von ca. 8m bei 600mm Brenn­wei­te die Schärfen­tie­fe gera­de ein­mal ca. 30cm. Ich habe daher zusätz­lich manu­ell eine Serie von 9 Bil­dern bei Blen­de 8 mit unter­schied­li­chen Schär­fee­be­nen auf­ge­nom­men, damals noch manu­ell fokus­siert mit mei­ner Sony Alpha 7R III und dem Sig­ma 60-600mm DG OS HSM. Die 9 Bil­der habe ich dann in Pho­to­shop „gestackt“ (nähe­res dazu spä­ter), dabei kam dann das fol­gen­de Bild her­aus, das nun von vorn bis hin­ten scharf ist:

Nyons,Frankreich
Fokus­stacking aus 9 Fotos

Die manu­el­le Ein­stel­lung der Schär­fee­be­nen ist feh­ler­an­fäl­lig. Es muss eine für die gewähl­te Blen­den­öff­nung geeig­ne­te Schritt­wei­te gewählt wer­den, damit die ein­zel­nen Bil­der naht­los anein­an­der pas­sen. Zudem ist es zeit­auf­wen­dig und gelingt daher eigent­lich nur ver­nünf­tig vom Sta­tiv und bei Objek­ten die sich nicht oder kaum bewe­gen. Glück­li­cher­wei­se hat das Kro­ko­dil rela­tiv still gehal­ten, den­noch sind mir beim Sta­cken doch eini­ge Arte­fak­te durch Atem­be­we­gun­gen auf­ge­fal­len, die eine manu­el­le Nach­be­ar­bei­tung in Pho­to­shop erfor­der­ten. Alles in allem hat es aber ganz gut geklappt, da hat­te ich Glück. Seit­dem habe ich das Focus Stacking aber wie­der aus den Augen ver­lo­ren.

Erste Schritte mit der EOS R5

Die Canon EOS R5 (und auch die R6) hat nun eine Focus Stacking Auto­ma­tik ein­ge­baut. Nach der EOS RP und der EOS 90D, die dies auch konn­ten, die ich aber per­sön­lich nicht ken­ne, ist das ein Novum bei Canon. Ande­re Her­stel­ler wie Olym­pus und Pana­so­nic unter­stüt­zen Focus Stacking hin­ge­gen bereits seit län­ge­rer Zeit. Die­se neue ver­füg­ba­re Opti­on mach­te mich nun wie­der neu­gie­rig.

Menuoptionen

Den zuge­hö­ri­gen Men­u­punkt „Fokus-Bra­cke­ting“ fin­det man im Menu SHOOT 5. Bei der Aus­wahl des Men­u­punkts erscheint die fol­gen­de Anzei­ge auf dem Dis­play:

In der ers­ten Zei­le muss die Funk­ti­on zunächst akti­viert wer­den. In den nach­fol­gen­den drei Zei­len kann dann die Anzahl der Auf­nah­men (bis zu 999), die Grö­ße der Fokus­schrit­te und eine Belich­tungs­glät­tung aus­ge­wählt wer­den.

Anzahl der Bilder

Die not­wen­di­ge Anzahl der Schrit­te hängt von der gewähl­ten Blen­de und der Aus­deh­nung des gewünsch­ten Schär­fe­be­reichs ab. Lei­der lie­fert Canon da kei­ne Anhalts­punk­te, so dass man nicht dar­um her­um­kommt, es aus­zu­pro­bie­ren. Der Fokuss­lauf beginnt immer mit der ein­ge­stell­ten Ent­fer­nung. Bei den nach­fol­gen­den Auf­nah­men wird der Fokus jeweils um die ein­ge­stell­te Schritt­wei­te nach hin­ten ver­scho­ben. Sobald die „unen­end­lich“ Ein­stel­lung erreicht ist, stoppt das Bra­cke­ting, auch wenn noch nicht die Anzahl der ein­ge­stell­ten Schrit­te erreicht ist.

Fokus-Abstufung

Die Schritt­wei­te der Ver­stel­lung kann auf einer Ska­la von 1 bis 10 gewählt wer­den. Nach Aus­sa­ge von Canon ist die Schritt­wei­te von der ein­ge­stell­ten Blen­de abhän­gig, genaue­re Aus­wahl­kri­te­ri­en gibt es hier lei­der nicht. Sicher­heits­hal­ber habe ich bei mei­nen ers­ten Ver­su­chen die Schritt­wei­te „2“ gewählt, Canon scheint aber die Schritt­wei­te „4“ zu emp­feh­len, zumin­dest ist die­ser Wert in der Ska­la grau mar­kiert.

Belichtungsglättung

Die­se Opti­on gleicht Hel­lig­keits­schwan­kun­gen zwi­schen den ein­zel­nen Auf­nah­men aus. Dies ist ins­be­son­de­re bei Makro­ob­jek­ti­ven rele­vant, da sich bei hohen Abbil­dungs­maß­stä­ben die effek­ti­ve Blen­de von der ein­ge­stell­ten Blen­de unter­schei­det. So ergibt sich im Maß­stab 1:1 bei ein­ge­stell­ter Blen­de 8 eine effek­ti­ve Blen­de von 16, es kommt daher nur 1/4 der Licht­men­ge wie bei der Ein­stel­lung auf „unend­lich“ am Sen­sor an.

Focus Bracketing mit der Canon EOS R5

Die Canon EOS R5 schal­tet beim Focus Bra­cke­ting auto­ma­tisch auf den elek­tro­ni­schen Ver­schluss um. Das hat den Vor­teil, dass der Vor­gang bei aus­rei­chend Licht und ent­spre­chend kur­zer Belich­tungs­zeit mit 20 Bildern/ Sekun­de sehr schnell, laut­los und frei von Erschüt­te­run­gen abläuft. 40 Bil­der wer­den somit in knapp 2 Sekun­den auf­ge­nom­men. Die Serie star­tet direkt mit der Aus­lö­sung und sie läuft bis zum Ende durch, auch wenn der Aus­lö­ser los­ge­las­sen wird.

Die­se hohe Geschwin­dig­keit, die gute Sta­bi­li­sie­rung durch den IBIS sowie die feh­len­de Erschüt­te­rung durch den elek­tro­ni­schen Ver­schluss ermög­li­chen den pro­blem­lo­sen Ein­satz des Focus Bra­cke­ting auch ohne ein Sta­tiv. Der Nach­teil des elek­tro­ni­schen Ver­schluss ist aller­dings, dass er (aus mir uner­find­li­chen Grün­den, die Sonys haben die­se Ein­schrän­kung nicht) nur Belich­tungs­zei­ten bis zu 1/2 Sekun­de unter­stützt. Ein Fokus Bra­cke­ting bei Nacht ist somit mit der R5 nicht mög­lich 😉 .

Die neue Opti­on habe ich daher tat­säch­lich zunächst im Urlaub mehr­fach ohne Sta­tiv­ein­satz aus­pro­biert. Nach­fol­gend ein paar Bei­spie­le:

Flie­gen­pilz, Stack aus 20 Ein­zel­auf­nah­men
Elfen­bein­dis­tel (Stack aus 30 Auf­nah­men)

Nach­fol­gend zei­ge ich ein Ein­zel­bild aus der Serie, um den gerin­gen Schär­fe­be­reich zu ver­an­schau­li­chen. Für die­se Tests habe ich übri­gens alle Bil­der mit dem RF 24-105 f/4L bei Offen­blen­de auf­ge­nom­men:

Elfen­bein­dis­tel (Ein­zel­auf­nah­me aus dem Focus-Stack)

Die Auf­nah­men habe ich alle­samt ver­suchs­wei­se mit dem RF 24-105mm f/4L IS USM ohne Sta­tiv auf­ge­nom­men und in Pho­to­shop und Heli­con Focus 7 zusam­men­ge­fügt. Da ich vom Ergeb­nis doch sehr ange­nehm über­rascht war, habe ich mir vor­ge­nom­men, mich näher damit zu beschäf­ti­gen.

Wenn Sie nach den ers­ten Ergeb­nis­sen, so wie ich es war, inter­es­siert an wei­te­ren Infor­ma­tio­nen sind, die kom­men hier:

Stacking, wie geht das?

Nach­dem die Focus-Stacking Serie auf­ge­nom­men wur­de, kommt erst die eigent­li­che Arbeit, das Zusam­men­fü­gen der Fotos. Drei Vor­ge­hens­wei­sen, die ich bis­her aus­pro­biert habe, möch­te ich hier vor­stel­len.

Canon Digital Photo Professional (DPP)

Das Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm Digi­tal Pho­to Pro­fes­sio­nal befin­det sich im Lie­fer­um­fang der Canon EOS Kame­ras und ist somit für jeden R5 oder R6 Besit­zer ohne Extra­kos­ten ver­füg­bar. In der neu­es­ten Ver­si­on 4 unter­stützt DPP nun auch das Focus Stacking. Es wird nach Mar­kie­rung eines Bil­des aus dem Stack über

Extras | Tie­fen-Com­po­si­t­ing | Tie­fen-Com­po­si­t­ing Werk­zeug star­ten

auf­ge­ru­fen.

DPP
Dia­log­box zum Stacking in DPP

Es reicht, wenn ein Bild des Stacks mar­kiert ist, da DPP die zum jewei­li­gen Stack gehö­ri­gen Bil­der selbst erkennt. Wenn man den But­ton „Durch­su­chen“ anklickt, kann man Namen und Spei­cher­ort der Aus­ga­be­da­tei ange­ben und zudem auch unter den ver­füg­ba­ren Aus­ga­be­for­ma­ten (JPEG oder TIFF in 8 oder 16 Bit) wäh­len. Die Vor­ein­stel­lun­gen habe ich aber zunächst belas­sen und das Stacking dann gestar­tet:

Dann heisst es aller­dings seeeeeeeeehr viel Geduld zu haben. Bei mei­nem recht schnel­len Rech­ner (16-Kern AMD-Thre­ad­rip­per, 32GB-RAM, Bil­der auf NVMe SSD) benö­tig­te der Vor­gang für einen Stack aus 40 Ebe­nen geschla­ge­ne 25 Minu­ten! Das Ergeb­nis war aller­dings sehr gut, etwai­ge Stacking-Feh­ler kön­nen zudem mit dem in DPP inte­grier­ten Tie­fen-Com­po­si­t­ing-Bear­bei­tungs­werk­zeug auch kom­for­ta­bel kor­ri­giert wer­den.

Wäh­rend mei­ner Zeit mit diver­sen Canon EOS Bodies habe ich DPP in ver­schie­de­nen Ver­sio­nen immer wie­der aus­pro­biert, konn­te mich aber nie damit anfreun­den. Zwar sind die Bear­bei­tungs­mög­lich­kei­ten sehr umfang­reich und es kön­nen, da das Pro­gramm vom Her­stel­ler selbst kommt, damit auch alle Mög­lich­kei­ten der Canon-RAW-Datei­en aus­ge­reizt wer­den, jedoch fin­de ich die Benut­zer­ober­flä­che mit den vie­len Ein­zel­fens­tern außer­or­dent­lich unüber­sicht­lich.

Zudem ist DPP im Ver­gleich zu ande­ren Pro­gram­men extrem lang­sam. Ich selbst nut­ze DPP daher nicht. Mei­ne gesam­te Bild­be­ar­bei­tung und -ver­wal­tung füh­re ich statt­des­sen mit Ado­be Ligh­troom Clas­sic und Pho­to­shop durch.

Adobe Lightroom + Photoshop

Wer, wie ich, mit dem Ado­be Foto-Abo mit Ligh­troom Clas­sic* arbei­tet, hat auch dort bereits alles, was zum Focus-Stacking benö­tigt wird. Die Stacking Serie kann dazu, wie gewohnt in Ligh­troom impor­tiert und in Pho­to­shop gestackt wer­den.

Tipp: Wenn man vor und nach der Stacking-Serie jeweils ein schwar­zes Bild auf­nimmt, ist die Stacking Serie viel ein­fa­cher zu iden­ti­fi­zie­ren

In Ligh­troom Clas­sic habe ich mir ange­wöhnt, eines der Bil­der der Serie zunächst final zu bear­bei­ten (Weiß­ab­gleich, Hel­lig­keit, Kon­trast, Lichter/ Schat­ten, ggf. Farb­kor­rek­tu­ren / Mas­ken usw.) und die Ein­stel­lun­gen dann mit allen Bil­dern zu syn­chro­ni­sie­ren. Wenn die Bil­der so vor­be­rei­tet sind, müs­sen sie mit dem Men­u­punkt

Foto | Bear­bei­ten in | In Pho­to­shop als Ebe­nen öff­nen…

an Ado­be Ligh­troom über­ge­ben wer­den. Die Bil­der wer­den jetzt in Ligh­troom geren­dert und an Pho­to­shop (bei mir im ein­ge­stell­ten hoch­auf­lö­sen­den For­mat 16bit TIFF) als ein­zel­ne Ebe­nen über­ge­ben. Pro Bild sind das bei der EOS R5 256MB, also zusam­men bei 30 Ebe­nen 7,5GB an Daten. Das dau­ert je nach Anzahl der Foku­se­be­nen und der Leis­tungs­fä­hig­keit des Rech­ners durch­aus eini­ge Zeit. Auf mei­nem 16-Kern AMD Thre­ad­rip­per 2950X mit schnel­ler NVMe SSD und 32GB Ram benö­tigt der Vor­gang bei 30 Bil­dern fast 3 Minu­ten.

Nun sind in Pho­to­shop noch drei Schrit­te durch­zu­füh­ren. Zunächst müs­sen alle impor­tier­ten Ebe­nen mar­kiert wer­den. Dies kann mit STRG+ALT+A (Win­dows) oder CMD+ALT+A (Mac­in­tosh) oder direkt durch Mar­kie­rung mit der Maus in der Ebe­nen- Aus­wahl­box erfol­gen.

Dann müs­sen die Ebe­nen mit

Bear­bei­ten | Ebe­ne auto­ma­tisch aus­rich­ten…

genau über­ein­an­der gelegt wer­den. In der Dia­log­box ist dazu die Vor­ein­stel­lung „Auto“ gut geeig­net. Auch die­ser Vor­gang dau­ert - bei mir sind das bei 30 Ebe­nen wie­der­um ca. 3 Minu­ten.

Und dann kommt noch der drit­te und letz­te Schritt, das Über­blen­den. Dies erfolgt in Pho­to­shop mit dem Men­u­punkt:

Bear­bei­ten | Ebe­nen auto­ma­tisch über­blen­den…

Auch in der hier erschei­nend­ne Dia­log­box kann die Vor­ein­stel­lung „Bil­der sta­peln“ wie­der über­nom­men wer­den. Ich schal­te dort noch die Opti­on „Naht­lo­se Töne und Far­ben“ ein. Ob die Inhalts­ba­sier­te Fül­lung für trans­pa­ren­te Berei­che aus­ge­wählt wird oder nicht, ist Geschmacks­sa­che. Wenn an die trans­pa­ren­ten Berei­chen kei­ne wesent­li­chen Details im Bild angren­zen, klappt das in der Regel recht gut. Nach bestä­ti­gung der Dia­log­box heisst es erneut war­ten. Bei mit dau­ert der Vor­gang im oben beschrie­ben Fall ca. 4 Minu­ten, bis das Ergeb­nis end­lich fer­tig ist:

Pho­to­shop hat für die ein­zel­nen Ebe­nen Mas­ken erstellt, die in jedem Bild nur die Tei­le durch­schei­nen las­sen, die scharf abge­bil­det sind. In der Regel klappt das ganz gut, den­noch kön­nen immer wie­der Stacking-Feh­ler (wie Dop­pel­kon­tu­ren oder unschar­fe Berei­che) auf­tre­ten, die dann müh­sam in den ein­zel­nen Ebe­nen­mas­ken kor­ri­giert wer­den müs­sen. Das geht zwar, ist aber äußerst müh­sam.

Das Ergeb­nis ist sehr brauch­bar, bei nähe­rer Inspek­ti­on zei­gen sich aber im Rand­be­reich doch klei­ne Feh­ler:

Die­ser Feh­ler trat auf, da in der Serie von dem betref­fen­den Blatt­an­teil kei­ne schar­fe Auf­nah­me vor­han­den war. Da die Auf­nah­men ohne Sta­tiv erfolg­ten, hat dich die Kame­ra zwi­schen den ein­zel­nen Auf­nah­men leicht bewegt und die­ses Detail war auf der Auf­nah­me der zuge­hö­ri­gen Ebe­ne nicht mehr ent­hal­ten. Die­se Feh­ler kann man nun noch in Klein­ar­beit müh­sam kor­ri­gie­ren, am ein­fachs­te ist es aber, das Bild ent­spre­chend zu beschnei­den, so habe ich es gemacht. Wenn man schließ­lich dem Ergeb­nis zufrie­den ist, kön­nen die Ebe­nen zusam­men­ge­fasst wer­den. Das erle­digt der Men­u­punkt:

Ebe­ne | Auf Hin­ter­grun­de­be­ne redu­zie­ren

Dann kann Pho­to­shop ver­las­sen wer­den, wobei die Nach­fra­ge „Ände­run­gen an dem Pho­to­shop-Doku­ment XXX vor dem Been­den spei­chern?“ bejaht wer­den soll­te. Pho­to­shop spei­chert das erstell­te Bild dann in den­sel­ben Ord­ner, in dem sich auch der Stack befin­det und über­gibt das neue Bild zurück an Ligh­troom, wo es dann auch im Film­strei­fen erscheint.

Alles in allem ist das Ergeb­nis mit Ligh­troom und Pho­to­shop gut, aber die Bear­bei­tung hat in die­sem Fall gut 15 Minu­ten gedau­ert - das muss doch auch schnel­ler gehen, oder?

Ja, geht es tat­säch­lich, z.B. mit

Helicon Focus von HeliconSoft

Heli­con Focus ist ein auf das Focus Stacking spe­zia­li­sier­tes Pro­gramm. Es kann über die Heli­con­Soft Web­site her­un­ter­ge­la­den und für 30 Tage aus­pro­biert wer­den. Ich habe die Ver­si­on 7.6.4 aus­pro­biert. Das Pro­gramm kommt mit einem Plugin für Ado­be Ligh­troom, das bei der Instal­la­ti­on auto­ma­tisch ein­ge­rich­tet und nach einem Neu­start von Ligh­troom auch sofort ver­füg­bar ist. Somit kann die Ver­ar­bei­tung des Stacks, ähn­lich wie mit Pho­to­shop, kom­for­ta­bel aus Ligh­troom her­aus gestar­tet wer­den. Die ers­ten Schrit­te sind daher die­sel­ben wie bei Ligh­troom. Wenn alle Bil­der des Stacks bear­bei­tet sind, wer­den sie auch dies­mal alle mar­kiert und Heli­con Focus wird über den Men­u­punkt:

Datei | Zusatz­mo­dul­op­tio­nen | Export zu Heli­con Focus…

auf­ge­ru­fen. Ligh­troom expor­tiert nun die Bil­der des Stacks in ein tem­po­rä­res Ver­zeich­nis (der Pfad kann wenn gewünscht im Ligh­troom-Zusatz­mo­dul-Mana­ger aus­ge­wählt wer­den) und star­tet bei Bedarf Heli­con Focus:

Schon die­ser Vor­gang ist deut­lich schnel­ler, er benö­tigt für 30 Bil­der der R5 auf mei­nem Rech­ner nur ca. 1 Minu­te (AMD Thre­ad­rip­per 2950X mit 16 Ker­nen, 32GB Ram, NVMe SSD).

Wenn die Bil­der an Heli­con Focus über­ge­ben wor­den sind, ste­hen dort nun 3 Ren­der Metho­den zur Aus­wahl:

A: gewich­te­ter Mit­tel­wert
B: Tie­fen­ab­bild
C: Pyra­mi­de

Zudem kön­nen bei den ein­zel­nen Metho­den noch ver­schie­de­ne Para­me­ter aus­ge­wählt wer­den. Bis­her habe ich die bes­ten Ergeb­nis­se mit der Metho­de C (Pyra­mi­de) erhal­ten. In Heli­con Focus kön­nen die ver­schie­de­nen Metho­den aber bequem nach­ein­an­der aus­pro­biert und die Ergeb­nis­se ver­gli­chen wer­den. Die ein­zel­nen Ergeb­nis­se wer­den zwi­schen­ge­spei­chert und las­sen sich jeder­zeit durch Aus­wahl im klei­nen Film­strei­fen am unte­ren Rand anzei­gen. Dort kann man sich dann das Bes­te Ergeb­nis aus­su­chen und es spei­chern.

Das Ren­dern des Stacks ist im Ver­gleich zu Pho­to­shop rasend schnell. Heli­con Focus nutzt dabei die vor­han­de­nen Rechen­ker­ne offen­bar deut­lich bes­ser aus, als es Pho­to­shop ver­mag. Mein Bei­spiel­stack mit den 30 Auf­nah­men der Elfen­bein­dis­tel wur­de mit Metho­de C bereits in 15 Sekun­den geren­dert, Pho­to­shop hat dafür 6 Minu­ten (aus­rich­ten und über­blen­den) benö­tigt.

Stacking mit Heli­con Focus - Metho­de C - Pyra­mi­de

Nett ist, dass Heli­con Focus wäh­rend der Berech­nung ein ani­mier­tes Bild des Ren­der-Vor­gangs anzeigt. Auch mit der Metho­de B - Tie­fen­ab­bild ist der Vor­gang in 15 Sekun­den been­det:

Stacking mit Heli­con Focus - Metho­de B - Tie­fen­ab­bild

Nach Fer­tig­stel­lung kön­nen die Bil­der in Heli­con Focus ver­grö­ßert betrach­tet und bei Bedarf auch nach­be­ar­bei­tet wer­den. In die­sem Fall sind bei­de Ver­fah­ren gut geeig­net gewe­sen. Die Ver­ar­bei­tung geht sehr viel schnel­ler und kom­for­ta­bler als mit Pho­to­shop.

Heli­con Focus zeigt im Modul „Nach­be­ar­bei­tung“ im lin­ken Fens­ter ein aus­ge­wähl­tes Ein­zel­fo­to einer Ebe­ne und rechts das Gesamt­bild an. Mit der Maus kann dann aus einer belie­bi­gen aus­ge­wähl­ten Ein­ze­le­be­ne ein Bild­teil auf das Gesamt­bild kopiert wer­den. Das schreibt sich hier viel kom­pli­zier­ter, als es in der Rea­li­tät ist, es geht jeden­falls sehr viel ein­fa­cher, intui­ti­ver und schnel­ler als in Pho­to­shop. Mei­ner Erfah­rung nach ist eine Nach­be­ar­bei­tung in Heli­con Focus zudem auch deut­lich sel­te­ner not­wen­dig, da die Ergeb­nis­se meist bes­ser sind, als mit Pho­to­shop.

Ins­ge­samt macht die Bear­bei­tung somit mit Heli­con Focus sehr viel mehr Spass und ist auch deut­lich per­for­man­ter als mit Ado­bes Pho­to­shop. Heli­con Focus kos­tet als Jah­res-Abo der­zeit 30 und als „Life­time Licen­se“, in der auch alle Updates frei sind, $115.

Welches Stacking-Programm soll ich denn nun wählen?

Für ers­te Ver­su­che eig­net sich tat­säch­lich DPP - Digi­tal Pho­to Pro­fes­sio­nal von Canon gut, da das Pro­gramm jedem Canon EOS Nut­zer ohne Zusatz­kos­ten zur Ver­fü­gung steht. Es ist aller­dings sehr lang­sam und die Benut­zer­ober­flä­che, mei­ner Ansicht nach, sehr gewöh­nungs­be­dürf­tig

Wenn viel­leicht sowie­so bereits mit Ado­be Ligh­troom gear­bei­tet wird, ist die Kom­bi­na­ti­on Ado­be Ligh­troom + Pho­to­shop wahr­schein­lich bes­ser geeig­net. Wenn sowie­so ein Ado­be Foto Abon­ne­ment besteht, gibt es hier auch kei­ne Zusatz­kos­ten. Lei­der ist hier die Stacking-Bear­bei­tung etwas umständ­lich und der Vor­gang selbst auch lang­sam, wenn auch etwas schnel­ler als bei DPP.

Allen, die sich etwas inten­si­ver mit dem Focus Stacking befas­sen wol­len, enpfeh­le ich aber den Erwerb einer dar­auf spe­zia­li­sier­ten Soft­ware, wie z.B. das hier vor­ge­stell­te Heli­con Focus. Damit ist die Bear­bei­tung um Grö­ßen­ord­nun­gen schnel­ler und kom­for­ta­bler.

Und weitere Beispiele

Die obi­gen Erfah­run­gen mit dem Focus Stacking der EOS R5 haben mich nun ange­fixt, auch mein Makro-Objek­tiv wie­der ein­mal aus­zu­pro­bie­ren.

Mein gutes altes EF 100mm F2.8 Macro USM* liegt schon län­ge­re Zeit unge­nutzt im Schrank. Ich hat­te immer über­legt, es irgendwnn ein­mal gegen das 100mm F/2.8L IS aus­zu­tau­schen, da der IS mir gera­de im Makro­be­reich inter­es­sant erschien, habe davon aber abge­se­hen, da ich es doch nur sehr sel­ten ver­wen­de und zudem das L-Objek­tiv optisch nicht bes­ser ist. Das Abwar­ten hat sich gelohnt: Nun hat mein altes Makro durch den bei der EOS R5 ein­ge­bau­ten IBIS auch eine Sta­bi­li­sie­rung, die wirk­lich gut funk­tio­niert 😉 .

Als Übungs­ob­jekt habe ich mir ein über 80 Jah­re altes Fami­li­en-Erb­stück aus der Vitri­ne aus­ge­sucht. Es ist eine gol­de­ne Taschen­uhr, die mein Groß­va­ter 1937 zum 25jährigen Dienst­ju­bi­lä­um von der GHH, der Gute Hoff­nungs Hüt­te in Ober­hau­sen erhal­ten hat­te. Das gute Stück ist auch nach mehr als 80 Jah­ren noch voll funk­ti­ons­fä­hig. Ich habe sie wie­der auf­ge­zo­gen und sie lief!

Das Stacking habe ich nun mit der Kame­ra auf einem Sta­tiv durch­ge­führt. Die Beleuch­tung kam durch das Fens­ter, die Uhr habe ich auf ein wei­ßes Blatt Papier gelegt. Dann habe ich mit Blen­de 5.6 jeweils 40 Auf­nah­men durch­ge­führt, die­se in Ligh­troom bear­bei­tet und die Seri­en dann in Heli­con Focus gestackt:

Stack aus 40 Auf­nah­men, 100mm, f/5.6, 1/160, ISO 100
Stack aus 26 Auf­nah­men, 100mm, f/8, 1/15, ISO 100
Stack aus 30 Auf­nah­men, 100mm, f/8, 1/6, ISO 100

Ich bin ziem­lich zufrie­den mit den Ergeb­nis­sen, Focus Stacking macht Spass! Das waren mei­ne ers­ten Schrit­te mit dem Focus Stacking. Über Kom­men­ta­re und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge wür­de ich mich sehr freu­en.

Wenn Sie an wei­te­ren Infor­ma­tio­nen zur Canon EOS R5 inter­es­siert sind:

Mei­nen ers­ten Test­be­richt zur EOS R5 fin­den sie hier. Auf mei­ner Web­site gibt es aus­ser­dem noch vie­le wei­te­re Bei­trä­ge, die sich mit der EOS R5 befas­sen.

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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Wagner

    Auch wenn ich noch kei­ne Stacking Erfah­run­gen habe, so macht Ihr Bei­trag Lust sich mit dem The­ma zu beschäf­ti­gen. Gera­de die R5 scheint durch die Kom­bi­na­ti­on aus 20fps, der guten Sta­bi­li­sie­rung und der hohen Auf­lö­sung im KB Sek­tor die ers­te Wahl zu sein. Dan­ke auch für die Gegen­über­stel­lung der Metho­den und Tools, sehr gut aus­ge­ar­bei­tet und hilf­reich. Die Ergeb­nis­se aus der Hand fin­de ich sehr über­zeu­gend.

    Haben Sie Erfah­run­gen mit Lang­zeit­be­lich­tun­gen (ich den­ke da an meh­re­re Minu­ten) und der Wirk­sam­keit der kame­rain­ter­nen Rau­sch­re­du­zie­rung gemacht? Ich habe im Netz diver­se Stim­men gele­sen, die sich kri­tisch über das Rau­schen der r5 äußer­ten. Aller­dings habe ich noch kei­ne metho­di­sche Aus­ar­bei­tung zu dem The­ma gese­hen.

    1. Sehr geehr­ter Herr Wag­ner,
      vie­len Dank für Ihren net­ten Kom­men­tar. Auch für mich war das Fokus-Stacking lan­ge Zeit in der Ver­sen­kung ver­schwun­den. Ich hat­te es rein auf die Makro­fo­to­gra­fie und den Sta­tiv­ein­satz beschränkt gese­hen. Aber da die EOS R5 da die hohe Seri­en­bild­ge­schwin­dig­keit von 20fps, der inte­grier­te Bild­sta­bi­li­sa­tor und die ein­ge­bau­te Stacking-Funk­ti­on ver­mu­ten liess, dass auch ein Frei­hand­ein­satz mög­lich sein könn­te, wur­de ich neu­gie­rig, habe es aus­pro­biert und die ers­ten Ergeb­nis­se haben auch mich ver­blüfft. Ich wer­de die Funk­ti­on in Zukunft sicher häu­fi­ger ein­set­zen.
      Bezüg­lich der Lang­zeit­be­lich­tun­gen mit der R5 habe auch ich bis­her noch kei­ne Erfah­run­gen mit Belich­tun­gen von mehr als 30 Sekun­den. Die guten High-Iso Eigen­schaf­ten der Kame­ra las­sen aber ver­mu­ten, dass sie da nicht schlech­ter per­formt als der Wett­be­werb - aber viel­leicht wer­de ich mich da dem­nächst auch ein­mal mit beschäf­ti­gen - vie­len Dank für die Anre­gung.

  2. Norbert

    Vie­len Dank für den tol­len Bericht,
    jetzt bin ich noch mehr trau­rig, dass die R die­ses Fea­ture als ein­zi­ge Canon Spie­gel­lo­se nicht hat:-(
    Ich muß­te extra nach­se­hen, aber „Akkom­mo­da­ti­on“ wird mit zwei „m“ geschrie­ben.

    1. Hal­lo Herr Was­ser,
      es freut mich, dass Ihnen der Bei­trag gefal­len hat. War­um Canon das Fea­ture bei der R weg­ge­las­sen hat, ver­ste­he ich auch nicht, aber not­falls kann man ja auch manu­ell sta­cken, so habe ich es bei dem Kro­ko­dil ja auch gemacht. Aus­ser­dem ist das ja viel­leicht ein zusätz­li­cher Grund, auf die R5 upzu­gra­den 😉
      Vie­len Dank auch für Ihren Hin­weis auf den pein­li­chen Recht­schreib­feh­ler, ich habe ihn bereits kor­ri­giert.

  3. Alf

    Eine klas­se Besachrei­bung die­ser (für mich und Canon) neu­en Tech­nik. Vie­len Dank dafür !
    Zeigt ein­mal mehr auf, was alles mit der neu­en R5 mög­lich ist.
    Gruß Alf

    1. Gerd-Uwe

      Vie­len Dank Alf, ich habe das The­ma ja auch gera­de erst für mich wie­der neu ent­deckt. Es macht mit der R5 wirk­lich Spaß und geht mit Heli­con Focus auch schnell von der Hand. Die R5 rockt!

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